Montag, 7. November 2016

{Hochzeit} Frau Schulz heiratet - Teil 2


Eine Woche vor meiner kirchlichen Hochzeit habe ich euch ja hier schon einen Einblick gegeben, wie es mir so geht - nun folgt endlich die eigentliche Hochzeit!

Am letzten Augustwochenende fuhr Herr Fuchs mich abends zu meinen Eltern. Die Nacht vor unserer Hochzeit wollten wir getrennt voneinander verbringen, damit ich am Hochzeitstag genug Zeit hätte, mich in Ruhe anzukleiden und vorzubereiten. Herr Fuchs schlief derweil Zuhause, versorgte am Hochzeitstag noch unsere Kater Mio und TomTom und brachte Keno über Nacht in die Hundepension. Anschließend fuhr auch er zu meinem Elternhaus, um sich umzuziehen und die letzten Griffe zu erledigen.

Aber der Reihe nach...

Samstagmorgen, 06:00 Uhr 
(noch 8,5 Stunden bis zum JA)

Den Wecker hätte ich mir nicht zu stellen brauchen: Punkt sechs Uhr sitze ich kerzengerade in meinem Bett. Dass ich überhaupt schlafen konnte war ein kleines Wunder. Wochenlange Vorebereitungen steckten mir noch in den Knochen und zu meiner Nervosität mischte sich die bange Frage, ob wirklich alles gut werden würde.
Erstmal einen Tee trinken, eine Kleinigkeit frühstücken und dann ab zum Friseur.


Samstagmorgen, 08:00 Uhr 
(noch 6,5 Stunden bis zum JA)
Ich sitze beim Friseur.Smartphone in der Hand, ein Glas Wasser vor mir. Und ich schwitze. Nicht vor Angst, nein, es ist einfach schon jetzt gut 20 Grad und Föhn und Glätteisen tun ihr übriges. Ich habe mich für eine Hochsteckfrisur entschieden und daran wird nun gearbeitet. Zwischendurch trudeln im Minutentakt Nachrichten meiner Freundinnen ein: "Na, schon wach?" "Schon aufgeregt?" "Bald geht's los!"


Samstagmorgen, 10:00 Uhr 
(noch 4,5 Stunden bis zum JA)
Nach anderthalb Stunden war die Frisur fertig (super!) und ich saß wieder Zuhause bei meinen Eltern. Und fragte mich, was zum Teufel ich genau in den nächsten vier Stunden tun sollte. Glücklicherweise trudelte da mein Geschwisterkind und Trauzeugin in Personalunion ein und mit ihr der Blumenschmuck für die Kirche. Den hatte meine Tante vorbereitet, die einen zauberhaften Laden und ein Café in Nieder-Olm betreibt (Blums Café). Eigentlich wollte mein Geschwisterkind gemeinsam mit meiner Patentante die Kirche schmücken. Aber ich musste einfach mitkommen und selbst Hand anlegen.


Bald schon waren alle Bänke geschmückt, alle Gesangshefte verteilt und wir trabten wieder zurück gen Elternhaus.



Samstagmittag, 12:30 Uhr 
(noch 2 Stunden bis zum JA)
Nachdem ich in den vergangenen Stunden meinen Eltern noch bei der Vorbereitung des Gartens für den Sektempfang geholfen hatte, stand ich nun allen Beteiligte in den Füßen herum. Wir warteten zudem auf den Bräutigam, der sich ein bisschen verspätet auf den Weg gemacht hatte. Doch das nächste Klingeln war unsere Fotografin, die das Brautstyling dokumentieren wollte.

Na gut, dann also los.
Zwischenzeitlich war das Thermometer bereits bei 32° C angelangt und es war kein Ende in Sicht. Also kurz nochmal frisch machen und dann rein in das Kleid:
















Samstagmittag, 13:45 Uhr 
(noch 45 Minuten bis zum JA)
Atmen fällt gerade schwer. "Das Kleid sitzt perfekt, es ist halt bloß nicht zum Atmen geschneidert", denke ich, während ich am Arm meines Vaters das Elternhaus verlasse. Mittlerweile sind es 34° C und ich beglückwünsche mich selbst, dass ich mich gegen jegliche Schminke entschieden habe. Das Kleid hat am Rock sage und schreibe elf Schichten Stoff. Plus Unterrock. Plus Strumpfhose. Den eigentlichen Plan, mit meinem Papa die ca. 100 Meter zur Kirche mit dem Auto zu fahren, verwerfe ich. Dauert zu lange, zu viele Schichten Kleid müssten dazu verstaut werden. Ich gebe meinen Brautstrauß ab, raffe das Kleid und stapfe bergauf gen Kirche. Die Glocken läuten.
Papa ist gut - er hat an eine Flasche Wasser gedacht, die ich vor dem Einzug in die Kirche noch ein letztes Mal ansetze.



Samstagmittag, 14:00 Uhr 
(noch 30 Minuten bis zum JA)
Unser zauberhaftes Blumenmädchen läuft vor meinem Vater und mir. Einzug in die Kirche, die Orgel spielt. Und ich klammere mich an den Arm an meiner Seite, versuche krampfhaft, in dem engen Kleid ruhig zu atmen und beruhige mich selbst durch das Mantra "Bald ist alles vorbei". Genießen? Entspannen? Nicht so mein Fall gerade.
Ich versuche die knapp 70 Augenpaare anzulächeln, die mich anblicken. Alle Blicke auf die Braut. Großer Auftritt Frau Schulz, so wie immer erträumt.
Es fühlt sich an wie in Watte.

Ich schreite langsam den Mittelgang entlang, bin fürchterlich nervös - nicht fallen! - den Blick starr auf den Rücken des Blumenmädchens gerichtet.
Endlich sind wir vorne angelangt, ich sehe Herrn Fuchs und plötzlich ist alles gut. 




Samstagmittag, 14:30 Uhr 
(JA)
Wir singen Lobe den Herren, mein Geschwisterkind liest aus dem Buch Kohelet. Wir hören die Predigt.

Und dann ist es soweit:
Herr Fuchs sagt ja zu Frau Schulz. Frau Schulz sagt ja zu Herrn Fuchs.



Mag gehen, wer will
Ich bleibe da
Es könnte sein
Du kämest ja

Fliehe, wer flieht
Es bleibt meine Ruh
Komme, was kommt
Vielleicht kommst du

Helmut Bednarczyk
Samstag, 15:00 Uhr
Die Gäste kommen nach und nach in den Garten meiner Eltern. Wir haben eine Bar aufgebaut, an der es Sekt und Orangensaft und Wasser gibt. Und veganes Laugengebäck. 

Dann brechen Herr Fuchs und ich zu unserem Pärchenshooting auf. 
Fotos machen in der brütenden Hitze - nur im Schatten möglich. 
Aber immerhin am Rhein mit Blick auf selbigen und etwas frischem Wind.




 Samstag, 18:00 Uhr

Wir sind in der Vinothek angekommen, in der wir den Abend verbringen.
Die Tische sind wieder von meiner Tante dekoriert, alles erstrahlt in zarten Blautönen.


Wir sitzen draußen, Reden werden gehalten, Wein wird getrunken. Und als um 19:00 Uhr endlich die Sonne milder scheint, kann ich auch besser atmen.

Das Essen wird leider mit einer Stunde Verspätung serviert, dafür haben alle Hunger und geschmacklich stimmt alles. Nach Salat und Suppe warten wir auf das Buffet. Die Enttäuschung ist bei mir riesengroß als ich merke, dass alle Hauptspeisen kalt sind. Die Gäste lassen sich glücklicherweise nichts anmerken, aber ich ärgere mich im Rückblick immer noch sehr über das misslungene Catering (mehr als eine Stunde Verspätung bei der Vorspeise, dann noch das kalte Essen zum Hauptgang - blöd gelaufen).

Dafür kann die Torte glänzen:


Statt einer Fondanttorte wurde es ein Naked Cake, weil bei den Temperaturen alles Fondant geschmolzen wäre. Sah trotzdem klasse aus und war geschmacklich auch überzeugend!



Samstag, 22:00 Uhr 

Ziemlich vollgefuttert eröffnen wir die Tanzfläche mit unserem Hochzeitstanz. Dafür haben wir richtig lange geübt, private Tanzstunden genommen und so sitzt die Polka, die wir tanzen:







Wer sie hören möchte - dies war unser Lied:



 Samstagnacht

Und dann tanzten wir.
Die Location wurde in zartes Blau getaucht, hundert Kerzen brannten und machten den Abend zu einem unvergleichlichen Erlebnis. Die Hitze des Tages war verflogen und wir tanzten bis nachts um halb vier barfuß auf der Terasse!